Ein Papagei auf Reisen: Scheidung, Migration

EUR 1,50

Ust. frei lt. § 6 Abs. 1 (KU-Regelung)

Autorin: Helga Kernstock-Redl

geschrieben für: Kinder, Jugendliche

Ziel und psychologischer Background: Die Trennung von Vertrautem stellt für viele Kinder ein Schockerlebnis dar, besonders dann, wenn sie plötzlich und unvorbereitet eintritt. Diese Geschichte soll helfen, sie zu verstehen und zu verdauen. Es wird hier nicht näher beschrieben, was genau der Grund für die radikale Veränderung des Lebensraumes ist: Es könnte jede Art von Streit sein: Scheidung, Krieg oder sonstiger Konflikt.

Kinder brauchen in jedem Fall Unterstützung. Denn je jünger sie sind, umso größer ist die Gefahr, belastende Schlussfolgerungen über sich selbst oder über die Welt daraus zu ziehen (belastende Selbst- oder Weltüberzeugungen). Solche Lernerfahrungen werden häufig genera-lisiert und können die zukünftige Selbst- und Weltsicht entscheidend beeinflussen.

Bei Scheidungen finden sich häufig Schuld- und Angstgefühle und entsprechend negative Gedanken: »Ich bin schuld. Ich war nicht lieb, brav, problemlos… genug.“. Vielleicht kommen negative Gefühle und Gedanken über den eigenen Wert: „Ich bin schlecht. Ich bin nicht liebenswert. Wegen mir haben sich die Eltern getrennt/nicht getrennt.«, vielleicht sogar Vernichtungsängste: »Es ist aus mit mir. Mein Leben ist vorbei. Wenn sich die Eltern trennen, fühlt es sich an wie Sterben.« Wenn Kinder wegen kriegerischer Auseinandersetzungen ihr Land verlassen müssen, ist es natürlich schwer vorhersehbar, mit Hilfe welcher kindlich-logischer Schlussfolgerungen sie das zu erklären versuchen. Vielleicht ist es: „Die Erwachsenen sind böse“, möglicherweise jedoch auch: „Ich bin böse.“ Oder ganz etwas Individuelles. Fragen Sie danach, entweder direkt: „Was denkst du darüber, dass du wegfahren musstest?“ oder indirekt: „Was könnte Gogo jetzt von sich denken?“

Sobald Sie diesbezüglich Vermutungen haben, dann verändern Sie die Gedanken in der Geschichte.  Weitere Vorschläge zu möglichen negativen und dazu passenden positiven Selbstüberzeugungen sowie Anregungen zum interaktiven Erzählen finden Sie im Bereich „Kostenfrei Download“ im Webshop der Autorin.

Selbstüberzeugungen (SÜ): Gedanken über sich selbst (oder die Welt), die belasten oder stärken:

Ø Belastende, negative SÜ: Die Erwachsenen sind gemein, sie sind böse. Ich bin selbst ziemlich gemein, wenn ich so etwas denke. Vielleicht bin ich schuld, weil ich nicht ganz brav war. Veränderung ist immer schlecht.

Ø Stärkende, positive SÜ: : Ich bin gut. Mama und Papa sind gut. Veränderungen sind manchmal gut und manchmal schlecht – und meistens gut und schlecht gemischt. Ich bin mutig genug.

Tipps zur Optimierung der Geschichte:

Personalisieren: Sie können jede Geschichte mehr oder weniger personalisieren: Je größer die Ähnlichkeit zur realen Situation eines Kindes, umso berührender kann sie sein. In dieser Geschichte wir die Belastung nur sehr vage beschrieben. Sie können diesen Teil (vielleicht mit Hilfe des Kindes) um einige Sätze erweitern und den Konflikt beschreiben – Übertragen auf das Leben eines Papageienkindes im Urwald. 

Je mehr Unterschiede zwischen Geschichte und Leben des Kindes, desto besser gelingt die oft überaus wichtige Distanzierung. Wird die Gogo-Geschichte einem Mädchen in anderer Familienstruktur vorgelesen, wo der Umzug keine Veränderung der Sprache mit sich gebracht hat, ermöglicht das der Zuhörerin mehr inneren Abstand: „Das hat nichts mit mir zu tun.“ Auch gut. Vielleicht haben Sie Lust, diese Geschichte einige Wochen später nochmals vorzulesen und dann ein Paradiesvogelmädchen als eine gute Freundin von Gogo vorzustellen, der ähnliches passiert.

Mitgestalten: Verändern Sie Details selbst oder lassen Sie den/die ZuhörerIn mitgestalten, ganz nach Ihrer eigenen Einschätzung. Fragen Sie nach dem Namen, den möglichen Gefühlen und Gedanken bzw. Selbstüberzeugungen der Hauptfigur („Was könnte er da denken, was glaubst du?“) und bieten Sie weitere Möglichkeiten der Mitgestaltung (Namen, Geschlecht, Jahreszeit ...). Oder auch nicht.

Freie Wahl: Jede Geschichte soll nur ein Vorschlag sein und nicht Ihre Sicht der Welt „einreden“. Damit das sicher so verstanden wird, können bzw. sollten Sie verschiedene Varianten des Trennungs-Themas erzählen. Auch die Lösungsmöglichkeiten oder Selbstüberzeugungen können bzw. sollen variieren, damit klar bleibt: Es ist nur eine Geschichte. LeserInnen bzw. ZuhörerInnen haben die Wahl, wie weit die Identifikation geht und was sie daraus mitnehmen wollen.

Weitere Infos: im „Gratis Download“-Bereich des Webshops bzw. im Buch: „Heilsame und lösungsorientierte Kindergeschichten“ von Helga Kernstock-Redl.